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Dirk Wittke | Medien-Kooperative

Blick über den Tellerrand

301-Weiterleitung hat Vorrang vor 404-Code
Vorfahrt für 301-Weiterleitung

Jeder Webmaster, der einen Internetauftritt über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet, wird früher oder später vor die Frage gestellt sein, wie er mit Seiten umgehen soll, die entweder ganz aus dem Angebot verschwinden oder unter anderem Dateinamen beziehungsweise an einer anderen Stelle innerhalb der Verzeichnisstruktur erscheinen sollen.

Es gibt mindestens drei Herangehensweisen an dieses Problem, die vom stumpfsinnigen „Mir doch egal“ über eine simple Sammelweiterleitung bis zur intelligenten und benutzerfreundlichen 301-Weiterleitung reichen. In diesem Artikel werden die Vor- und Nachteile dieser Lösungsansätze jeweils aus der Perspektive des Webmasters, der Website-Besucher sowie der Suchmaschinen einander gegenübergestellt. Für die Code-Beispiele gehe ich von einem Webhosting-Angebot mit Apache-Server aus, wie sie etwa auch bei den großen Webhostern wie 1&1 oder Strato üblich sind.

Die stumpfsinnige „Mir doch egal“-Lösung

Bei diesem Ansatz werden die Dateien der Website (HTML, CSS, PHP, …) ganz nach Bedarf umbenannt, verschoben, gelöscht. Am Ende steht eine (hoffentlich) funktionierende Website, die keinerlei Rücksicht darauf nimmt, was mit den alten Seiten oder der alten Verzeichnisstruktur geschehen ist.

Vorteile: Kein zusätzlicher Mehraufwand.

Nachteile: Besucher, die in ihrem Browser bereits früher ein Lesezeichen beziehungsweise einen Favoriten auf eine nun nicht mehr vorhandene Seite angelegt haben, werden beim Wiederbesuch unangenehm von der 404-Fehlerseite, „Seite nicht gefunden“ („Page Not Found“), überrascht. Denselben 404-Fehler bekommen auch Besucher zu Gesicht, die von einer anderen Website aus einem Link auf eine nun nicht mehr existierende Zielseite zu folgen versuchen. Und schließlich müssen auch alle Suchmaschinen von Google über Bing bis Yahoo & Co. die gesamte Website von Grund auf neu indexieren, wobei ein bereits vorhandener Pagerank der lediglich verschobenen Seiten verloren geht.

Fazit: Wem seine Website und etwaige Besucher egal sind, soll es ruhig so machen. Diese Vorgehensweise ist mit Abstand am wenigsten benutzer- und suchmaschinenfreundlich.

Die simple Sammelweiterleitung

Mit diesem Ansatz lassen sich beispielsweise alle Zugriffe auf Webseiten eines nicht mehr vorhandenen Verzeichnisses vom Webserver automatisch auf eine bestimmte Standardseite weiterleiten. Dazu kann einfach die .htaccess-Datei im Stammverzeichnis des Webservers bearbeitet (oder angelegt) werden, um eine Code-Zeile mit einer dauerhaften Weiterleitung nach folgendem Muster in sie einzufügen:

RedirectMatch permanent ^/verz_alt/(.*) http://www.domain.de/standard_neu.html

In diesem Beispiel werden alle Aufrufe von Seiten aus einem alten, nun nicht mehr existierenden Verzeichnis namens verz_alt auf die Seite standard_neu.html unter der Beispieldomain domain.de umgeleitet.

Auch bei dieser Vorgehensweise steht am Ende eine (hoffentlich) funktionierende Website, die keine Rücksicht auf alte Seiten oder die alte Verzeichnisstruktur nimmt und von daher nicht zu empfehlen ist.

Vorteile: Geringer Mehraufwand. Besucher, die über alte Lesezeichen, Favoriten oder Links auf die neu strukturierte Website kommen, werden nicht durch eine 404-Fehlermeldung abgeschreckt, sondern auf einer vom Betreiber eingerichteten „Auffangseite“ abgeholt.

Nachteile: Über alte Lesezeichen, Favoriten oder Links ankommende Besucher gelangen nicht mehr direkt zum erwarteten alten Inhalt. Bei den Suchmaschinen gehen die bereits vorhandener Pageranks der alten Seiten verloren.

Fazit: Besser als nichts.

Die intelligente 301-Weiterleitung

Bei dieser Vorgehensweise wird in der .htaccess-Datei im Stammverzeichnis des Apache-Webservers für jede einzelne alte Seite eine neue Zielseite vorgegeben, die als dauerhafte Weiterleitung (Permanent Redirect) eingerichtet wird. Nach Möglichkeit sollte dabei versucht werden, eine Eins-zu-eins-Zuordnung einander entsprechender Seiten zu erreichen. Falls dies nicht möglich ist – etwa weil einige Inhalte geändert, überarbeitet, zusammengefasst oder auf mehrere Seiten aufgeteilt wurden – sollte zumindest versucht werden, die alte Seiten auf möglichst ähnliche Seiten umzuleiten.

Für die völlig überarbeitete Neuauflage dieser Website im Dezember 2010 waren beispielsweise etliche Einträge der folgenden Art erforderlich:

[...]
RedirectPermanent /de/angebot/uebersetzung.html http://www.medien-kooperative.de/sprachdienste_uebersetzung_lokalisierung.html
[...]
RedirectPermanent /de/ueber_uns/index.html http://www.medien-kooperative.de/kontakt_profil_person.html
[...]
RedirectPermanent /de/kontakt/index.html http://www.medien-kooperative.de/kontakt_profil_kontakt.html
[...]

Die Weiterleitungsregeln folgen dabei folgendem simplen Schema:
RedirectPermanent [alte Seite mit Pfad] [komplette URL zur neuen Seite].

Vorteile: Besucher finden trotz alter Lesezeichen, Favoriten oder Links auch auf der neu strukturierten Website sofort die gewohnten und erwarteten Inhalte wieder und werden weder durch eine 404-Fehlermeldung abgeschreckt noch durch eine allgemeine Auffangseite verwirrt. Darüber hinaus bleibt bei Suchmaschinen das Ranking der alten Seiten weitgehend erhalten, indem es auf die neuen Seiten übertragen wird.

Nachteile: Größerer Analyse- und Zeitaufwand. Bei vielen Seiten kann es leicht unübersichtlich werden.

Fazit: Dieses Vorgehensweise erfolgt für die Besucher der Website vollkommen transparent und ist aus Gründen sowohl der Benutzerfreundlichkeit als auch der Suchmaschinenoptimierung die mit Abstand wünschenswerteste Alternative.

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